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Inklusion fehlt Basis: Lehrer fühlen sich allein gelassen

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Blogparade Inklusion von Jugendhilfe bewegt Berlin, sowie der Blogparade #INKLUSION2025 der Aktion Mensch und skizziert eine Möglichkeit, um die aktuellen Probleme im Bereich der Inklusion in Schulen mit Hilfe der Cultural Transformation Tools über gemeinsame, kulturelle Werte zu lösen.

Lehrer: Inklusion fehlt Basis
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat der Bundesregierung und der Kultusministerkonferenz (KMK) mangelndes Engagement bei der Inklusion behinderter Kinder in der Schule vorgeworfen.

Die Politik wecke bei den großen Aufgaben Inklusion und digitale Medien in der Öffentlichkeit hohe Erwartungen an die Schule, lasse Lehrer aber allein, sagte der Bundesvorsitzende Udo Beckmann beim Deutschen Lehrerkongress (…). „Wir erkennen bisher auch keine nachhaltigen Strategien, wie diese Aufgaben umfassend finanziert und umgesetzt werden sollen“ sagte Beckmann.

Mit diesen Aussagen berichtete das Westfalen Blatt am 22.11.2014 zum aktuellen Stand der Inklusion im Bereich Schule.

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Quartiersmanager sehe ich die mit dem Thema Inklusion verbundenen Auswirkungen seit Beginn des neuen Schuljahres sehr deutlich:

Lehrerinnen und Lehrer sind durch ohnehin schon große Klassenverbände, fehlende Integrationshelfer, straffe Lehrpläne und wenig Vorbereitung auf das Thema Inklusion und deren praktische Umsetzung überfordert.
Manchmal schafft es schon ein Kind, den gesamten Unterricht zu sprengen.

Im Gespräch mit Schulleitungen und Lehrkräften werden folgende Punkte bemängelt:

  • Das Thema Inklusion wurde den Schulen ohne echte Beteiligung „übergestülpt“.
  • Es fehlen adäquate Fortbildungsveranstaltungen
  • Es gibt zu wenig Unterstützung z.B. in Form von Integrationshelfern
  • Die Umsetzung der Lehrpläne ist gefährdet
  • Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich von der neuen Situation überfordert

Ein nachhaltiges Konzept der Schulbehörden bis hin zur Kultusministerkonferenz kann ich, ebenso wie Herr Beckmann, zur Zeit nicht erkennen. Vielmehr handelt es sich um einzelne Bausteine, die versuchen, die dringendsten Probleme zu lösen.

Gemeinsame, kulturelle Werte als Basis für ein nachhaltiges Konzept zur Inklusion in Schule

Aus meiner Sicht könnte ein nachhaltiges Konzept zur Inklusion in Schule auf gemeinsamen, kulturellen Werten entwickelt und aufgebaut werden.

Als Werkzeug setze ich dabei auf die Cultural Transformation Tools, die bereits seit Mitte der 1990er Jahre weltweit erfolgreich eingesetzt werden und ein speziell auf Schulen ausgerichtetes School Values Assessment bieten.

Im Kern geht es darum, gemeinsame, kulturelle Werte zu erkennen und in entsprechende Handlungsmuster umzusetzen.
Dabei stehen drei Fragen im Mittelpunkt:

  1. Welche persönlichen Werte bringen die Beteiligten mit?
  2. Welche Werte stehen für die augenblickliche Situation der Schule?
  3. Welche Werte wären wünschenswert, um das bestmögliche Potenzial der Schule zu erreichen?

In Form von Workshops oder Online-Befragungen wählen die Beteiligten jeweils zehn Werte pro Frage aus.

ctt-workshopDas Ergebnis zeigt die persönlichen Ressourcen, die die Befragten für einen Veränderungsprozess mitbringen, die aktuelle Situation in der Schule und die gewünschte Situation, in der deutlich wird, was Schule braucht, damit Inklusion besser funktioniert.

Punkt 3 zeigt dabei die drei dringendsten Werte auf, in deren Bereich Veränderung erforderlich ist. Diese Werte werden in konkrete, alltagsgerechte Handlungsweisen „übersetzt“ und dann geschaut, welche persönlichen Ressourcen aus Frage 1 für die Umsetzung zur Verfügung stehen.

In kurzen, agilen Handlungszyklen werden die neuen Handlungsweisen anschließend ausprobiert und angepasst.

Der Vorteil dieser Arbeitsmethode liegt im Gewinnen von Abstand zu Alltagssituationen.
Die Diskussion und Arbeit auf der Werteebene lässt eine Betrachtung von Außen zu, die sich nicht an einzelnen, kleinen Problemen aufhängt, sondern das Ganze im Blick behält, analysiert und Lösungswege finden lässt.

Für die praktische Umsetzung im Schulalltag geben die Handlungsempfehlungen dann wiederum konkrete Hinweise zur Umsetzung.

Mit einer halbjährlichen Überprüfung der Ergebnisse können die Problemfelder auf diesem Weg nach und nach abgearbeitet werden, wobei das Ergebnis u.a. an verbesserten Werten im Bereich der Frage 2 messbar wird.

Beteiligung von Schülerinnen und Schülern als Beitrag zum Gelingen von Inklusion

Wenn die werteorientierte Arbeit im Lehrerkollegium als hilfreich erlebt wird, gibt es die Möglichkeit, in einem zweiten Schritt auch die Schülerinnen und Schüler an der kulturellen Werteentwicklung zu beteiligen.

Der Ablauf ist derselbe, wie oben beschrieben. Es werden wieder drei Fragen gestellt:

  1. Welche persönlichen Werte bringen die Beteiligten mit?
  2. Welche Werte stehen für die augenblickliche Situation der Schule?
  3. Welche Werte wären wünschenswert, um das bestmögliche Potenzial der Schule zu erreichen?

Dieses Mal werden aber neben den Lehrkräften auch Schülerinnen und Schüler befragt.
Wahlweise können alle Schüler, einzelne Klassen oder eine ausgewählte, repräsentative Gruppe von Schülern beteiligt werden.

Das Ergebnis fällt bei einer Schülerbeteiligung noch einmal vielfältiger aus, als bei einer reinen Lehrerbefragung. Einige Werte zwischen Schülern und Lehrern sind deckungsgleich, es kommen aber auch neue Werte zum Vorschein, die die Schule in Bezug auf ihre aktuellen Probleme deutlich voran bringen können.

Idealerweise werden die Schülerinnen und Schüler an der Auswertung und dem Festlegen von nächsten Handlungsschritten aktiv beteiligt.
Dafür stehen unterschiedliche methodische Ansätze wie beispielsweise Open Space zur Verfügung.

Fazit: Aktive Beteiligung von Lehrern und Schülern verbunden mit einem Wechsel der Betrachtungsebene tragen dazu bei, dass Inklusion gelingt.

ln der aktuellen Situation zur Umsetzung von Inklusion in Schule fühlen sich viele Schulleiter, Lehrer und Schüler mit den Vorgaben der Schulverwaltungsbehörden überfordert, weil diese im praktischen Schulalltag oftmals nicht umsetzbar sind.

Neben fehlendem Geld fehlt es auch an Erfahrungen, auf die zurückgegriffen werden kann. Das führt zu Überforderung auf allen Seiten, die sich in unterschiedlichen Auswirkungen im Schulalltag zeigt.
Aus meiner Sicht wird hier im Augenblick mehr an den Symptomen laboriert, als am eigentlichen Problem.

Mit dem Wechsel der Betrachtungsebene, weg von der Problemsicht, hin zu einer kulturellen, werteorientierten Sichtweise mit konkreten Handlungsmöglichkeiten und einer Beteiligung sowohl von Lehrern, als auch von Schülern, kann Inklusion in Schule gelingen.

Sicherlich passiert das nicht über Nacht, aber das Potenzial, das in Menschen in den vielen unterschiedlichen Schulen im gesamten Land liegt, bietet alle Voraussetzungen, damit Inklusion gelingt.

Dabei geht die Veränderung von den Menschen aus, denn Organisationen verändern sich nicht, Menschen verändern sich.


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Über den Autor

Stefan ZollondzBerater für messbares kulturelles Wertemanagement “Organisationen verändern sich nicht, Menschen verändern sich.” Mit dieser Grundhaltung unterstütze ich Unternehmer und Geschäftsführer aus dem sozialen Sektor, ihrer Organisation durch messbare, gemeinsame kulturelle Werte zu mehr Wachstum und Stabilität zu verhelfen. Denn ich bin der Meinung, dass Unternehmen, Organisationen, Teams und andere Gemeinschaften besser funktionieren, wenn ihre Führungskräfte sich für den Aufbau einer werteorientierten Kultur einsetzen. Gelingt die Messung kultureller Werte, gelingt auch Veränderung.Weitere Beiträge von Stefan Zollondz →